♥jaimejeanne: YSL Haus des Glücks

August 31, 2018

Heute möchte ich gerne mit euch einen Blick in ein Haus werfen, das mir bei einer spontanen Recherche auf Pinterest ins Auge gefallen ist. Und zwar aufgrund seines ungewöhnlichen Interieurs, das frische Farben, maritime Elemente und ganz viel Romantik zum Besten bringt. Wie eine Inkarnation eines frischen Atems mit kitschigem Abgang hat die Villa Mabrouka im Marokkanischen Tanger mein Interesse geweckt.

 

Villa Mabrouka – Haus des Glücks

Mabrouka bedeutet auf Arabisch übrigens Glück – und das ist es auch, was sein stolzer Besitzer Yves Saint Laurent hier als letzten Wohnsitz gefunden hat. Gerne möchte ich etwas von dieser Geschichte und einige Impressionen der aussergewöhnlichen Behausung mit euch teilen.

Die Villa liegt auf einer Klippe fünf Minuten bergauf von der Innenstadt von Tanger, mit Blick auf die Straße von Gibraltar und die Südküste von Spanien. 

Das in den 1960er Jahren erbaute Hotel bietet modernistische und traditionelle marokkanische Elemente wie große, raumhohe Fenster mit Metallrahmen, weiß getünchte Stuckwände, riesige zinnverzierte Hufeisenbögen und Schachbrett-Marmorböden ebenso wie das typische YSL-Blau und wunderbare Pflanzen und Blumen.

 

Man betritt die ummauerte Anlage durch einen runden Hof, der von einem riesigen, herabhängenden Gummibaum und einer Phalanx von brusthohen Farnen beschattet wird. Abgeschrägte Gärten überziehen Terrassen mit breiten Steinpfaden und Stufen, die zu einem Schwimmbecken führen, das in einen Felshügel gehauen ist.

 

Wunderbar wilde Vegetation und ein Stilmix sondergleichen

Madison Cox, der Ehemann Pierre Bergés war dafür verantwortlich, Palmen, italienische Zitronenbäume, Kletterpflanzen, Eisberg-Rosen, Bougainvillea und Hortensien-Hecken anzupflanzen und einen großen Taubenschlag zu installieren. Der amerikanische Architekt Stuart Church entwarf einen pinkfarbenen Stuckpavillon mit Kamin und Fenstern mit Blick auf die Meerenge. Auf den Wänden der Innenräume gibt es ebenso wilde Vegetation, mit wunderschönen botanischen Wandmalereien.

 

Die Pavillons und Aussenräume der Villa begeistern mich mit ihrem unkonventionellen Stilmix, der unglaublichen Vegetation und den Spuren der Zeit ganz gewaltig.

Als grosser Fan von Rattan gefallen mir die Räume, die Saint Laurent mit Möbeln und Accessoires aus dem Naturmaterial geschmückt hat natürlich gleich doppelt gut. Es gibt stets viel Wärme, südliches Flair und ganz viel bohèmen Chic in einen Raum.

 

Chintz, Muscheln und englische Romantik

Die Villa Mabrouka teilte Yves Saint Laurent wie schon angetönt mit seinem Partner Pierre Bergé. Im Gegensatz zu den anderen Häusern des unglaublich talentierten Modeschöpfers mit exzessivem Lebensstil ist dieses Haus keine Ansammlung von unbezahlbaren Gemälden, asiatischen Antiquitäten, handgeschnitzten Holztäfelungen oder Renaissance-Bronzen. Es wirkt so betrachtet regelrecht ‘schlicht’ und leicht.

 

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19ten-well-mabrouka-slide-C273-jumbo.jpgDie Einrichtung ist zwar schon auch eher üppig, aber auf maritim frische Art und Weise und ist somit die Antithese zu seinen anderen Häusern und Yves ‘normalem’ Geschmack, der schwere Üppigkeit zelebriert. Ein Tanger-Haus, im dem ein imaginäres englisches Paar mit Hauch zu Exzentrik in den 50ern gelebt haben könnte.

Doch nicht nur Chintz und doch sehr polarisierender, englischer ‘Kitsch’ und Romantik findet sich im Haus, sondern auch ganz viel absolut zeitgeistigen Schick, der mich begeistert.

 

Klare Grafik, bohème Mosaik, Messing & Marmor

Klare und grafische Schwarz-Weiss-Kontraste, Mosaik und Marmor, antikes Messing und hochwertige Keramik in allen Farben und Musterungen. Saint Laurents Gabe für Raumgestaltung war und ist legendär, davon habt ihr sicher auch schon gehört oder ganz wunderbar üppige Bilder davon gesehen. Seine persönliche Dekoration war stets so fein abgestimmt und eigenwillig wie seine Modekollektionen. Er war auch einer der eifrigsten Sammler von Kunst, Objekten und Möbeln unserer Zeit. Stets bestand er auf hochwertigen Materialien und Verarbeitung, auch wenn sie ihn ein kleines Vermögen kosteten. Die Zusammenarbeit mit ihm war für alle an der Gestaltung beteiligten nicht immer einfach, denn er galt als sturer, getriebener Rebell mit Perfektionsdrang in Sachen Glamour und Fantasy. Seine Räume waren und sind unmöglich zu kopieren.

 

 

Das Leben in Tanger war ruhig und privat

Dass die Villa Mabrouka anders war liegt daran, dass sie einen neuen Abschnitt in Yves Leben bedeutete und verkörpert. Mabrouka heisst nicht aus Zufall Glück auf Arabisch. Yves prunkvolle Zeiten machten in diesem Haus Platz für bescheidenere Raffinessen, in seinen Relationen betrachtet. Denn mir erscheint dies Haus noch immer üppig und prunkvoll genug. Verglichen mit den anderen Residenzen von Saint Laurent aber ist die selten fotografierte oder gesehene Villa Mabrouka nicht nur anders und einfacher, sondern auch fröhlicher. Spuren seiner lebenslangen Süchte, Anfälle mit Depressionen und Nervenzusammenbrüchen finden sich hier kaum. 

Das Leben in Mabrouka war ruhig und privat. Saint Laurent las, hörte Opern und Vögel und schaute sich Filme und Fischerboote an. Er ging spazieren und teilte einfache Mahlzeiten mit engen Freunden, darunter seine Musen Betty Catroux und Loulou de la Falaise, der Innenarchitekt Alberto Pinto und der Garten Designer Madison Cox. Die glamourösen Abendessen und Partys, die er in seinen anderen Häusern veranstaltete, waren lange vorbei, als er und Bergé 1999 in den Sommer zogen.

Das Schlafzimmer von Yves Saint Laurent in der Villa Mabrouka war ausgestattet mit Möbeln im Jean-Michel Frank-Stil von Jacques Grange, einem Kronleuchter aus französischem Holz und Glasperlen aus dem 19. Jahrhundert und Bettbezügen aus Rohseide. 

Neben dem Schlafzimmer gab es noch das Apartment mit zwei Schlafzimmern, eine prächtige Wohnung im Erdgeschoss mit französischen Art-Déco-Möbeln und Antiquitäten und Gemälden von Picasso, Goya und Matisse. 

 

Leider existieren meiner Meinung nach viel zu wenig Informationen und wenige gute Bilder dieser wunderbar ungewöhnlich eingerichteten Villa, was ich besonders schade finde. Der bekannte Kunst-Sammler und Galerist Pierre Passebon teilte und teilt noch immer ab und zu ein paar Eindrücke davon in seinem Instagram-Account – ihm zu folgen – highly recommended!

 

Mabroukas Schlafzimmer bleiben heute unberührt; sogar das gepolsterte Korbbett, das zu den letzten vier französischen Bulldogs des legendären Couturiers gehörte (alle mit dem Namen Moujik), bleibt in einer Ecke geschmiegt.

Das Haus ist seit ein paar Jahren auf dem Markt –  zu Preisen im Rahmen von 10 Millionen Dollar. Aber bis eine glückliche Seele es kauft und das Haus des Glücks sanft oder rigoros nach seinem Stil verwandelt, wird es die Atmosphäre bewahren, die es zu Yves Saint Laurents letzten und stilvollsten Ruhepol gemacht hat.

 

Inspiration sondergleichen

Mich inspiriert die glückliche Villa auf jeden Fall enorm. Auch wenn ich vieles weniger romantisch, moderner und leichter interpretieren würde. Diese Dinge würd ich mir jetzt grad am allerliebsten kaufen – und in Gedanken schon mal die Koffer Richtung Marrakesh packen, meine Lieben….

 

 

Geschirr: William Sonoma Home | Kleid: Mara Hoffman |Ohrringe: Lele Sadoughi via Shopbop | Kissen: Bonnie & Rose via Mooris.ch |Stuhl Sika Nanny via Mooris.ch | |Teppich: Beni Ourain via Etsy | Pinterest

Credits:  Pierre Passebon | Habituallychic | Musée Saint Laurent | Francois Halard for T Magazin | NY Times | Vogue DE | The Apartment Therapy | Fashionable Blog

Seit ich denken kann, beschäftigen mich Bilder, Textilien und Farben. Durch meine Tätigkeit als Stylistin und Designerin …