liiv entdeckt: Röthlisberger!

January 10, 2018

 Darf ich vorstellen?

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Darf ich dir meinen neuen Freud vorstellen? Er heisst Jan Röthlisberger und ist, zusammen mit seinen Brüdern Mark und Beat,  Kopf des in Gümligen ansässigen Familienunternehmens Röthlisberger.

Ihr Vater Peter Röthlisberger ist nach 35 Jahren zurückgetreten und überlässt in vierter Generation seinen drei charismatischen Söhnen die neue Geschäftsära, die sie, neben dem  40-jährigen Bestehen der eigenen Möbelkollektion, gerne als Rö-volution betiteln.

Jan und seine Brüder zeigen nicht nur mit ihrer hochgewachsenen Statur und ihrer Ausstrahlung  wahrlich Grösse, sondern auch mit ihrem Schaffen, das weitaus über die Landesgrenzen Anerkennung geniesst.

Wer ist Röthlisberger?

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Das Unternehmen Röthlisberger ist international bekannt für hochqualitative Möbel aus Schweizer Manufaktur, die in Qualität, Design und Stilistik ihresgleichen suchen.

Kerngeschäft der Firma, die das Schreinerhandwerk seit 1928 in Perfektion betreibt, ist der Innenausbau, der von beeindruckenden Privaträumen bis hin zu stattlichen Museen, Banken, Medienzentren, Boardrooms und öffentlichen Räumen aller Dimensionen hin reicht.

Seit den späten Siebzigerjahren hat sich das Traditionshaus parallel eine eigene Möbelkollektion aufgebaut. Dies zusammen mit renommierten Designern wie Hans Eichenberger, Teo Jakob, Trix & Robert Haussmann, Atelier Oï und Tomoko Azumi.

Viele Stücke, der nun wie schon erwähnt 40-Jahre jubilierenden Möbelkollektion, gelten heute als Designklassiker. Wie beispielsweise der Schubladenstapel von Susi und Ueli Berger oder der Rolladen-Schrank von Trix & Robert Haussmann.

Aber auch die in ein Holzkonstrukt gebettete Block 2 von Henry Pilcher oder Tomek Archers kernig-schicker Tischentwurf Campfire haben das Zeug zum Klassiker, da sie wunderbar vielseitig sind und doch sehr eigenständig wirken.

Bilder: Schubladenstapel | Campfire | Block 2

Obwohl Röthlisberger ihre Kollektion in Zusammenarbeit mit unterschiedlichsten Designern gestalten, tragen sie allesamt eine unverkennbare Handschrift und Seele, was uns besonders beeindruckt. Dies verdankt die Möbelkollektion dem stets sehr engen Austausch der Manufaktur mit den Designern und Fachleuten. Und natürlich ganz viel menschliches ‘Gspüri’, Weitblick und Mut der visionären Macher.

liiv liebt: Wertschätzung, Sorgfalt und Zeit

Die ehemalige Schreinerei ist mit den Jahren einem hochtechnisierten Maschinenpark gewichen. Nicht ‘nur’ Holz wird hier verarbeitet, sondern auch Metall, Glas, Stein und viele weitere Materialien.

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Alles hat seinen Platz in der perfekt organisierten Werkstatt von Röthlisberger in Bern.

Neben der beachtlichen Dimension und Technologie der Werkstatt fällt uns vor allem eine in einer Arbeitsstätte noch nie gesehene Ordnung auf. Alles scheint hier seinen Platz zu haben, um perfekt abgestimmte Arbeitsabläufe zu gewährleisten. Und nicht nur das, die grossartige Organisation wird auch von einer Sorgfalt und Wertschätzung begleitet, die ihresgleichen sucht.

Sei es der minutiös gereinigte Besen, das schön platzierte Schüfeli, die sorgsam drapierten Holzstapel, die aufgereihten Rohlinge oder das perfekt gestaltete Logo – hier sind Menschen am Werk, die ihre Tätigkeit à la perfection ausüben und vor allem auch mit all ihren Sinnen wertschätzen.

Schnell wird uns klar, dass diese heutzutage viel zu seltene Wertschätzung und Sorgfalt für Arbeit, Rohstoffe und Werkzeuge Werte sind, die der charismatischen Familie mit in die Wiege gelegt wurden. Und dass die Röthlisbergers es geschafft haben, ihre allesamt langjährigen Mitarbeiter mit ihren Werten anzustecken, sie täglich umzusetzen und zu leben.

Jeder Handgriff der Schreiner, Monteure und Ingenieure scheint routiniert und sehr flink. Dies alles geht mit einer Ruhe, die wohl nur die Berner beherrschen, vonstatten.  Der Manufaktur scheint bewusst, dass einer der wichtigsten Faktoren für zeitloses Design die Zeit ist und dass Sich-Hetzen-Lassen schlussendlich viel mehr Zeit und Kraft kostet.

Welches sind liivs Lieblinge?

liiv liebt den schnittigen Entwurf des berühmten Torsio-Stuhls von Hanspeter Steiger. Ein sowohl leichter als auch multifunktionaler Stuhl, der sich in die unterschiedlichsten Interieurs integrieren lässt. Besonders sein einzigartiger Schwung gefällt liiv gut. Diese wunderschönen Kurven nutzen das Biege-und Torsionsvermögen der Schichtholztechnik optimal aus. Eigenschaft dem die schöne Sitzgelegenheit auch ihren klangvollen Namen verdankt. Möglich wird dies durch das Formsperrholz.

Uns gefällt die Designikone vom Schweizer Edelschreiner am allerbesten in gekonnter Inszenierung mit Kontrasten wie einem Terrazzo, Stahlgeflechten oder Emaille.

Wunderbar gelungen finden wir den Torsio-Stuhl auch in royal-bohèmer Inszenierung in einer Residenz in Syndey, fotografiert von Anson Smart, die auf Instagram zu sehen ist.

Aber auch die schon erwähnte Block 2 von Henry Pilcher und Röhtlisberger lässt unsere Augen glänzen. Denn die geometrisch angeordneten Massivholzstäbe, die chic um die industriell anmutende Lampe angeordnet wurden, erlauben ein verspieltes Ausrichten des Lichts, wo auch immer es gerade benötigt wird.
Das ikonische Designstück wirkt vor allem in grosszügigen Räumen und Lofts ganz wunderbar und hat einen klaren Objektcharakter. Sie bringt ganz viel Stimmungslicht in den Raum und sieht auch in skulpturaler Formation mit mehreren Stücken unschlagbar aus.

liivs Fazit: Perfektion, Sorgfalt und Tradition im Schreinerhandwerk, Designkunst und ganz viel Menschlichkeit, Herz und ‘Gspüri’ – dies macht den weltweiten Erfolg von Röthlisberger aus und lässt liiv diese visionäre Familien-Manufaktur mit Sinn für neue Medien lieben.

 

liiv spricht mit Jan Röthlisberger

liiv: Was schätzt du besonders an deiner Firma?

Jan: Die Werte und Einstellungen eines Familienbetriebes sind ganz speziell. Es wird langfristig geplant und wirtschaftlich nachhaltig gearbeitet. Wir haben verschiedene Kompetenzzentren, wobei mir unsere Möbelkollektion und der ganze Designaspekt am meisten Freude bereitet.

liiv: Was macht dich persönlich zum Rö-voluzzer?

Manchmal stehe ich vor dem Wecker auf.

liiv: Welches ​Möbelstück ​von ​Rö ​ist dir am meisten ans Herz gewachsen?

Die Block 2 Leuchte ist das erste Produkt, welches ich bei uns eingeführt habe. Entsprechend geniesst es bei mir einen speziellen Stellenwert. Ich habe vor einigen Jahren selber in der „Block 2“, auf Deutsch „Halle 2“, in Australien gearbeitet. Das ist nämlich eine von vielen leer stehenden Zugwerkshallen in Midland (Westaustralien) welche von Designern, Künstlern und Architekten als Werkstatt, Atelier oder Studio verwendet wird. Unter anderem hat Henry Pilcher, der Designer der „Block 2“, da seine ersten Prototypen entwickelt und gebaut.

liiv: Welches Möbelstück von Rö steht bei dir zuhause und wird am meisten von dir genutzt?

Das muss wohl der Tisch Kiki von Carmen und Urs Greutmann sein. Kiki hat 1998 den iF Design Award gewonnen und zelebriert regelrecht den Spagat zwischen technischer Raffinesse und fast schon sinnlichen Designdetails. Der Tisch gehört definitiv zu meinen Lieblingsstücken aus unserer Kollektion. Da der Tisch nicht mehr in Produktion ist, freut es mich um so mehr dass ich einen zu Hause stehen habe.

liiv: Wenn du Röthlisberger in drei Worten beschreiben könntest, welche Drei wären das?

Design, Innovation, Familie

liiv: Wenn du dich selbst in drei Worten beschreiben könntest, welche Drei würdest du wählen?

Ich will immer zu viel.

liiv: Gross werden in einem Familienunternehmen: Segen oder Fluch?

Weder noch. Das Unternehmen ist seit ich mich erinnern kann fester Bestandteil unserer Familie. Der Einstieg von mir oder meinen Brüdern wurde aber nie erwartet oder künstlich gefördert. Dies gab mir die Möglichkeit auch ausserhalb des Familienunternehmens Erfahrungen zu sammeln und dann auf eigenen Wunsch in das Unternehmen einzutreten. Persönlich empfinde ich die natürliche Aufgabenverteilung untereinander und das tiefe Vertrauen ineinander als absoluten Luxus. Diese Form der Zusammenarbeit ist meiner Meinung nach ausserhalb eines Familienunternehmens kaum zu erreichen.

liiv: Wo siehst du Röthlisberger in weiteren 40 Jahren?

In vierzig Jahren arbeitet die nächste Generation mit genau so viel Freude und Elan am Erfolg des Unternehmens.

 

Bilder: Lea Montini | mooris.ch | Nina Maria Glahé  | Röthlisberger

Text: Jeannette Urech

Seit ich denken kann, beschäftigen mich Bilder, Textilien und Farben. Durch meine Tätigkeit als Stylistin und Designerin …