Lieblinge aus Marokko

January 07, 2018

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Irgendwie hat grad alles, was Schwarz und Weiss zusammenbringt Hochkonjunktur. Vor allem in Sachen Interior und Styling für unsere vier Wände sind wir vom schönsten aller Gegensätze eingenommen. So auch von den cremeweissen, hochflorigen Teppichen mit den markant schwarzen Raute- oder Zick-zack-Muster, die auf Instagram und Pinterest die Feeds verschönern.

Warmhalter aus dem Atlasgebirge

Dieses kultige Webgut stammt aus dem hohen Atlasgebirge in Marokko und ist nach den Stämmen seiner Herkunft, den ‘Beni Ourain’ benannt. Die weichen Teppiche aus Schaf-oder Lammwolle dienen dort vor allem dazu, in den bitterkalten Wintermonaten den Boden zu isolieren und die Füsse und Körper der Menschen warm zu halten.

Die traditionellen Motive – schwarze oder braune Linien in abstrakten Mustern – gestalten die Handweberinnen aus ihren persönlichen Erfahrungen oder wichtigen Lebensereignissen wie Geburt, Natur oder religiösen Überzeugungen.

Doch egal, ob Raute, Linie oder Tiersymbol: am Ende gleicht kein Beni Ourain dem anderen.

Bloggers’ Liebling

Die bekannte und – zugegeben – auch von mir geliebte Modebloggerin Jessie Weiss vom persönlich gestalteten Online-Magazin Journelles war eine der ersten, die ihre Beni-Ourain-Teppichsuche und ihre Erfahrungen damit auf ihren Kanälen teilte und zelebrierte. Und mich mit ihren Fotos mit der Begeisterung für die artisanalen Teppiche ansteckte.

Auch bei meiner lieben liiv-Bloggerkollegin Patrizia von lilaliv liegt ein besonders schönes Stück zuhause – wie immer ganz wunderbar inszeniert. Die Stylistin setzt beim ganzen Interior auf Neutraltöne und begeistert mich immer wieder mit ihrer klaren Linie und der tollen Komposition.

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Patrizia inszeniert ihren Beni Ourain schlicht und schön.

Ein Trendpotential der einzigartigen Teppiche bei urbanen Kreativen ist wohl nicht zu leugnen. Auch auf Journelles liegt das traditionsreiche Webgut unter den schicken Heels von Streetstyle-Ikone Pernille Teisbaek. Auf der Website The Selby sieht man ihn im Zimmer des kalifornischen Modedesigners Greg Chait, im Magazin Architectural Digest liegt er im Pariser Apartment des ehemaligen Yves-Saint Laurent-Designers Stefano Pilati.

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Pernille Teisbaek in ihrem Appartement mit wunderschönen Exemplaren von Beni Ourain auf Parkett.
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Greg Chait und Familie auf The Selby.

Die ‘Beni Ourain’ als reines Hipster-Teil abzustempeln, würde dem Teppich meines Erachtens aber Unrecht tun. Denn erstens ist er schon seit vielen Jahren in Designerkreisen beliebt – schon Le Corbusier und Charles und Ray Eames statteten ihre Wohnsitze mit dem Berberteppich aus und schätzten den handwerklichen Look und seine ‘neutralen’ Kontraste. Und zweitens ist der Teppich  alles andere als ein Massenprodukt. Er bleibt trotz allem ein Unikat aus Marokkos Atlasgebirge und ein Stück gelebte Tradition.

Auch kommt ihm zugute, dass das Risiko, dass ein Teppich nicht passen sollte, sehr klein gehalten werden kann. Denn die Beni Ourains sind zwar immer einzigartig, aber in Muster wie Farbe quasi ‘unverbindlich’ und fühlen sich auf jeder Bühne und mit jeder Stilrichtung wohl.

Neo-Bohème

Neu tauchen auch attraktive Varianten auf, die knallige Akzente auf der schafweissen Wolle setzen. Auch wenn ich persönlich die klassische Variante bevorzuge – die bunten Modelle bringen Spannung in die Wohnung und lassen sich immer noch bestens kombinieren.

Besonders schön finde ich so ein Stück in den Räumen der Neo-Bohème, mit Samt aber auch ganz viel Weiss und Licht wie es die Interior-Moods von Pinks Rug Co. zeigen.

Am allerschönsten finde ich, wenn Möbelstücke oder auch Accessoires einen der Töne des Teppichs wieder aufnehmen, wie die samtenen rosafarbenen Stühle im zweiten Bild. Oder die schönen Babuschen-Slipper, die nonchalant auf dem weichen Teppich liegen.

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Kidsroom-Lover

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Kids lieben den warmweichen Teppich aus dem Atlasgebirge auch.

Auch im Kinderzimmer finde ich den Berberteppich eine tolle Lösung, um Charme und Wärme auf den Boden und in den Raum zu bringen. Denn die industriell gefertigten Kinderteppiche sind meist entweder seelenlos oder dann wieder sehr kitschig.

Besonders schön wirkt da der artisanale Teppich und lässt auch bunten Accessoires, Kissen und farbigem Spielzeug viel Freiraum. Auch hier sind die bunten Varianten natürlich willkommen!

Where to buy

Meine ‘Geheimtipps’ um deinen ganz persönlichen Traum-Teppich zu finden, gebe ich an dieser Stelle nur zu gerne preis. Auf der bekannten Plattform für Artisanales Etsy sind einige tolle Verkäufer präsent, die die allerschönsten Modelle anpreisen. Da lieb ich die Auswahl und Präsentation, kenne aber den Verkaufsablauf, die Qualität und den Service dieser Anbieter nicht aus persönlicher Erfahrung.

Meine Favoriten auf Etsy

Mein ganz persönlicher Favorit ist der Onlineshop von Marock’n’Roll! Hedi und ihr Mann bringen regelmässig die allerschönsten Berberteppiche in die Schweiz. Sie inszenieren sie entweder für ihren Shop sehr authentisch in Marokko, oder aber in ausgesuchten Locations ihres Heimatkantons Graubünden. Ihr Instagram-Account ist übrigens auch einen Besuch wert. Die Preise sind sehr fair und die Qualität der Bodenverschönerer immer gut. Vom antiken Azilal bis hin zu allen Varianten von Beni Ourain bieten sie ganz wunderschöne Stücke an.

Auch der Schweizer Conceptstore für ausgesuchte Möbel und Designstücke mooris.ch bietet immer wieder ausgesuchte Teppiche von Marock’n’Roll auf auf seinen Plattformen online wie offline an.

Chez nous

So fanden auch meine drei Boys (Frank 41, Léon 3 1/2 und Louis 16 Monate ) und ich kurz nach dem Umzug in die neue, grosszügige Loft-Wohnung einen adäquaten und bezahlbaren Berberteppich bei Marock’n’Roll, den wir nie wieder missen möchten.

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Home sweet home: Vor dem Sofa liegt unser Liebling mit seinem prägnanten Rautenmuster.

Vor unserem Sofa und dem plakativen Gestell von Nils Holger Moormann platziert, wird der warmweiche Bodenverschönerer zum Spielen wie zum Flenzen genutzt. Und sieht dabei einfach richtig schön aus.

Die grafische, elegante Note, die dennoch schön reduziert und neutral bleibt, schätze ich besonders. Denn sie lässt einfach sehr viel Raum für Farben, Akzente und verspielte Details die ich so besonders schätze.

Fazit: Die genau richtige Portion Eklektizismus und bohèmen Charme, Handarbeit und Natürlichkeit, Tradition und Neutralität auf den Punkt bringt nur einer – der Beni Ourain.

Eure Jeannette

(Bildquellen: The Selby | Journelles | Etsy (twogirlsandapug, pinkrugsco., theboucheroiteshop)  | The Socialite Family| Pinterest | mooris.ch |privat)

Seit ich denken kann, beschäftigen mich Bilder, Textilien und Farben. Durch meine Tätigkeit als Stylistin und Designerin …